... und meine ehrliche Meinung über gesellschaftlichen Druck bei der Lebensplanung

Mein Mann und ich haben demnächst unseren ersten Hochzeitstag und ich möchte daher mal ein paar ehrliche Worte über gesellschaftlichen Druck bei der Lebensplanung loswerden. Wir haben vor einem Jahr zu zweit standesamtlich im Italienurlaub geheiratet und der Tag war genau so, wie wir ihn uns vorgestellt haben - richtig schön, emotional und vor allem völlig unkompliziert und tiefenentspannt - also eigentlich genau so, wie ich unsere Beziehung auch beschreiben würde. ♥️

Ich freue mich unglaublich über das erste Jubiläum, muss aber auch sagen, dass wir ohnehin eigentlich jeden einzelnen gemeinsamen Tag wie etwas ganz Besonderes feiern. Dass wir das seitdem auch offiziell als selbst auserwählte Familie (natürlich auch mit Gloria 🐶) tun können ist eine tolle Ergänzung und hat für mich aufgrund meiner eigenen Geschichte eine besondere Bedeutung. Wir haben in der Vergangenheit viele große Hürden zusammen gemeistert und wissen seither einfach jeden „guten“ Tag noch einmal mehr zu schätzen - wenngleich die Beziehung selbst darunter nie gelitten hat.

Aber warum erzähle ich hier überhaupt von meiner Beziehung?! Weil mir in verschiedenen Lebensbereichen aufgefallen ist, dass man sich beispielsweise durch vermeintlich perfekte Traumhochzeiten in den sozialen Medien oder Kommentare von anderen Menschen zur eigenen Lebensplanung ziemlich unter Druck gesetzt fühlen kann, irgendwelche „Normen“ erfüllen zu müssen. Wenn ich Instagram öffne, habe ich manchmal sogar das Gefühl, dass ein regelrechter Konkurrenzkampf um die krasseste Traumhochzeit und ein großer Druck "mithalten zu müssen" herrscht. Zudem habe ich auch schon Kommentare von Außenstehenden gehört, wie:
...
"Das war eben schon immer so!"
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"Was sollen bloß die anderen Leute denken?"
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"X und Y sind aber auch schon lange zusammen - wann wollen sie denn endlich den alles entscheidenden Schritt wagen?"
...
"Und wann kommen endlich Kinder?"
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Und ganz konkret auf unsere Hochzeit bezogen erhielt ich damals von einer Person, die wirklich rein gar nichts über mein Privatleben oder meine Hintergründe weiß, "Vorwürfe", wie ich denn meinem Umfeld gegenüber so verletzend sein und es mir herausnehme könne, alleine mit meinem Mann im Ausland zu heiraten. In dem Moment hätte ich so viel zu sagen gehabt und stand dann doch ziemlich sprachlos da... Ich finde solche Kommentare ehrlich gesagt einfach nur unsensibel und nicht valide, denn wir haben ja nicht geheiratet, um unsere Mitmenschen glücklich zu machen, sondern uns selbst. Und auch sonst haben all diese Aussagen folgendes gemeinsam: Menschen mischen sich in die Lebensplanung von anderen Menschen ein, obwohl sie diese nichts angeht und sie suggerieren, dass es nur den einen richtigen Weg im Leben gibt. Aber nicht jedes Paar möchte überhaupt heiraten und wenn es das doch möchte, gibt es eben viele verschiedene Wege. Auch nicht alle, die gern Kinder hätten, haben das Glück, einfach so welche bekommen zu können und gleichzeitig möchte nicht jedes Paar, das theoretisch Kinder bekommen könnte, auch wirklich welche haben. Zudem ist aus meiner Sicht weder eine Ehe oder ein Kind ein Beweis dafür, dass jemand sein Leben im Griff hat, noch ist die Tatsache, dass Menschen single sind, ein Indiz dafür, dass sie nicht wissen, was sie möchten.

Früher konnte ich mich selbst mit dem Thema Heiraten nicht so wirklich identifizieren. Ich war schon auf vielen wunderschönen großen Hochzeiten, die jeweils perfekt zu den Brautpaaren passten, aber ich konnte mir eine große Feier oder die klassischen Bräuche in meinem Fall überhaupt nicht vorstellen, da ich auf so etwas einfach nicht viel Wert lege. Das Schöne ist aber, dass man es ja komplett selbst in der Hand hat, wie man so etwas ausgestaltet, da es in Wahrheit nur uns persönlich gefallen muss. Klingt so simpel, aber das ist es aufgrund der Erwartungshaltung anderer Menschen oft leider nicht. Bei meinem Mann und mir hat es zum Glück einfach wunderbar gepasst, sich genau richtig angefühlt und wir waren uns sofort einig, dass für uns eine Hochzeit nur dann infrage kommt, wenn wir den Tag völlig stressfrei, ohne viel Aufwand und unter uns feiern. Ich hatte im Bezug auf unsere eigene Hochzeit jedoch hin und wieder das Gefühl, dass andere Menschen eine viel größere und romantischere Erwartung hatten als wir selbst und ich sie dann immer fast ein bisschen "enttäuschen" musste, wenn ich gesagt habe, dass das für uns eigentlich gar nicht so ein riesiges Ding ist. Natürlich hatte die Hochzeit für uns einen hohen emotionalen Wert, aber das Drumherum war uns einfach nicht so wichtig.

Mein "Lieblingskommentar" (den ich wirklich ständig höre) ist und bleibt jedoch: "Wieeeeeeee - du hast schon mit 25 geheiratet?", gefolgt von einer Erwartungshaltung, dass dadurch jetzt mein ganzes Leben ja irgendwie plötzlich viel anständiger, erwachsener, ruhiger oder sonst etwas sein müsste. Aber es hat sich seitdem eigentlich überhaupt nichts verändert. Wir sind durch die Trauung weder zu anderen Menschen geworden, noch war der Schritt „entscheidend“ oder hat uns auf ein anderes Level im Leben gehoben (lediglich mein Nachname ist etwas komplexer und italienischer geworden). Nach wie vor freuen wir uns jeden Tag auf's Neue über unsere Beziehung, aber das haben wir ja vorher auch schon und die Hochzeit hat das, was ohnehin schon war, eigentlich nur noch einmal offiziell bestätigt. Vor allem aber unterstützen wir uns immer gegenseitig dabei, dass beide die Freiheit als Individuen bewahren und das eigene Leben jeweils genau so gestalten können, wie jeder einzelne das möchte. ♥️

Auch Aussagen wie "Wenn man sich schon vor der Hochzeit Gedanken über den Scheidungsfall macht, ist die Ehe ohnehin zum Scheitern verurteilt." kann ich vor dem Hintergrund, dass nun einmal jede dritte Ehe geschieden wird, nicht nachvollziehen. Ich persönlich denke sogar, dass es eher ein ziemlich gutes Zeichen ist, wenn man auch über solche Themen als Paar offen kommunizieren kann. Das bedeutet ja keineswegs, dass man sich eine Scheidung wünscht, sondern im Fall der Fälle einfach einen Plan hat.

Bitte nicht falsch verstehen: Ich wünsche mir NICHTS MEHR als dass mein Mann und ich für immer zusammen bleiben, aber ich bin einfach keine Freundin davon, so eine riesige Erwartungshaltung zu haben, dass dieser eine Tag unbedingt der schönste im Leben werden muss und lege stattdessen viel mehr Wert darauf, jeden einzelnen Tag zu feiern.
Es ist auch natürlich total okay, wenn das andere Menschen total anders sehen. Jedes Leben ist nun einmal unterschiedlich, jeder hat andere Pläne sowie Bedürfnisse und es gibt eben nicht nur DEN EINEN richtigen Weg - ganz egal ob man ein Singleleben oder Eheleben, eine große oder kleine Hochzeit, Kinder oder keine Kinder, Stadtleben oder Landleben, usw. wählt. Ich finde, das wichtigste dabei ist, dass wir die Pläne der anderen Menschen immer akzeptieren und respektieren!

Deshalb ein kleiner Reminder: Du darfst genau so leben, wie du möchtest, bist niemandem etwas schuldig und musst dich nicht mit anderen vergleichen!
♥️
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